Der Frühling naht. Zumindest kalendarisch. Die Zeit, in der wir uns wieder vermehrt mit den kleinen Plagegeistern herumärgern müssen.

Zecken können vielerlei Krankheiten übertragen. Hauptsächlich erkranken in Deutschland jedoch Menschen an FSME und Borreliose. Während man sich gegen FSME impfen lassen kann (jedoch auch nicht ohne Risiko), gibt es für Menschen keinen vorbeugenden Schutz gegen die Borreliose. Beide Erkrankungen können jedoch zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen und somit auch zur Invalidität führen.

Was hat das nun mit der Unfallversicherung zu tun?

Grundsätzlich ist ein Zeckenbiss durchaus erst einmal ein Unfall. Er ist plötzlich, von außen, wirkt auf den Körper ein und die Unfreiwilligkeit ist natürlich auch zu bejahen. Bei den aus dem Unfall-Biss resultierenden Erkrankungen handelt es sich jedoch um Infektionskrankheiten. Hierzu gehören auch z.B. AIDS, Hepatitis, Malaria, Keuchhusten, etc. Infektionen fallen in den Versicherungsbedingungen jedoch unter die Ausschlusstatbestände. In den AUB 2010 heißt es in den Standardbedingungen:

„Infektionen. Sie sind auch dann ausgeschlossen, wenn sie durch Insektenstiche- oder bisse oder durch sonstige geringfügige Haut- oder Schleimhautverletzungen verursacht wurden, durch die Krankheitserreger sofort oder später in den Körper gelangten.“

Das heißt, es gibt leider keine Leistung für die Folgen eines Zeckenbisses. Aber: Viele Versicherer haben mittlerweile ihren Versicherungsschutz erweitert und bieten somit auch Versicherungsschutz für die Folgen von Zeckenbissen an.

Nur ist jede Erweiterungsklausel gleich gut? Nein, ist sie nicht.

Einige Versicherer versichern z.B. die FSME, aber nicht die Borreliose. Die Liste der versicherten Infektionskrankheiten ist somit von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. Auch die Definition der Klausel ist durchaus unterschiedlich. Es gibt Versicherer, die den Ausbruch der Krankheit als Unfallereignis werten, was gerade für Borreliose-Erkrankungen, von großem Wert ist. Es gibt Versicherer, die auch die Impfungen und Folgen eines Impfschadens (z.B. gegen FSME) mitversichern. Es ist auch unterschiedlich, welche Leistungen erbracht werden, einige versichern nur die Invalidität, andere auch die anderen Leistungsarten, wie z.B. Krankenhaustagegeld oder UnfallRente. Manche Versicherer machen klare zeitliche Vorgaben, wann was passiert/gemeldet sein muss, andere legen nur Wert darauf, dass der Ausbruch der Erkrankung innerhalb der Vertragslaufzeit liegt.

Infektionsklausel ist also nicht gleich Infektionsklausel. Vergleichen lohnt sich.

Prüfliste:

  • Welche Infektionskrankheiten sind versichert?
  • Sind auch Impfungen gegen Infektionskrankheiten versichert, wenn ja, welche? (z.B. auch bei den typischen Kinderimpfungen?)
  • Welche Leistungen werden erbracht?
  • Welche Fristen sind einzuhalten? (Hierbei bitte beachten, dass viele Zeckenbisse unentdeckt bleiben und erst geraume Zeit später eine Borreliose Infektion festgestellt werden könnte)
  • Welche weiteren Voraussetzungen/Einschränkungen sind der Klausel zu entnehmen? (z.B. Ist das Durchdringen bestimmter Hautschichten Voraussetzung für eine Leistung?)
  • Welcher Personenkreis ist überhaupt abgesichert? (manche Infektionsklauseln beschränken sich auch nur auf Angehörige bestimmter Heilberufe)
  • Welche Erweiterungen gibt es sonst noch hinsichtlich der geringfügigen Verletzungen (z.B. Leistung auch bei Blutvergiftungen?)

Natürlich kann man die Qualität einer Unfallversicherung nicht an einem einzigen Leistungspunkt fest machen. Jedoch ist die Infektionsklausel gerade auch bei Verträgen, die für Kinder abgeschlossen werden, durchaus nicht unwichtig.

 

Foto: Pixabay von catkin

Categories: Unfallversicherung

5 Comments

Makler · 23. März 2013 at 18:15

Es ist sicher kein unwichtiges Detail und meiner Frau ist genau das wiederfahren. Nun mag man denken, da ich selbst Versicherungsmakler bin, das es eine vernünftige Regulierung und Schadenverhalten gibt, aber weit gefehlt! Die Gesellschaft mit der wir uns im Streit befinden hat keine ihrer rechtlichen Verpflichtungen eingehalten, mir aber die Einhaltung meiner Pflichten und Obliegenheiten ausdrücklich bestätigt und auch die Infektion selbst wird nicht bestritten.
Da gibt es allerdings von A bis Z alle möglichen Ausflüchte, obwohl die Diagnose chronische Borreliose von verschiedensten Fachärzten und Reha bestätigt wurde, es in Folge der Infektion zu chronischer Lymearthitis, Polyneuropathie, Immunschwäche, CFS u.ä. gekommen ist (invaliditätsbegründend).
Schaden abgelehnt, Klage – dann soll man nicht die Bedingungen ändern, aber der Werbeträger passt da schon zu den Experten.

Angela Baumeister · 23. März 2013 at 18:39

Hallo Makler,
es ist keinesfalls so, dass Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter im Leistungsfall besser gestellt werden als andere Versicherungsnehmer. Das Vorhandensein gewisser Klauseln kann hilfreich sein, ist aber immer noch keine Garantie für problemlose Regulierungen. Ich habe leider durchaus auch oft Fälle auf dem Tisch, wo Versicherer unberechtigt ablehnen. Andererseits gibt es natürlich auch die Fälle, wo Versicherer berechtigt ablehnen. Dazwischen liegen die Grenzfälle, wo man mit vernünftiger Diskussion und Argumentation bei den meisten Versicherern eine Klage vermeiden kann. Manchmal geht es aber auch nicht anders und man muss den Klageweg bestreiten. Hierfür wünsche ich Ihnen viel Erfolg und ein faires Urteil. Auch noch einmal der Hinweis: Infektionsklausel ist nicht pauschal Infektionsklausel. Hier gibt es enorme Unterschiede, die auf den ersten Blick gar nicht so gravierend aussehen, im Leistungsfall aber den kleinen Unterschied machen können.
Viele Grüße
Angela Baumeister

Makler · 23. März 2013 at 21:05

Liebe Frau Baumeister,

mit dem Hinweis das ich selbst Makler bin war keinesfalls eine Besserstellung gemeint, woraus lesen Sie das? Nur eine Aussage zu meinem Fachwissen, das ich seit über 15 Jahren erworben habe.

Enorme Unterschiede gibt es durchaus und nach meiner Meinung sind auch die Bedingungen bei dem zugrunde liegenden Vertrag sehr gut, sonst wäre dieser für mich und meine Familie nicht dort eingedeckt gewesen.
Es ist weder ein Grenzfall, noch eine Auslegungssache. Denn wenn eine Gesellschaft nicht die eigenen Bedingungen kennen möchte, man die Gesellschaft auf die Grundlagen hinweist und dann tatsächlich, als sichtbar wird das es eben nicht um kleine Summen geht, dann auf Durchzug stellt – dann sind dort gewisse Sachverhalte für den normalen Sachverstand nicht mehr nachvollziehbar.

Das ist aber kein Einzelfall, sondern ein Trend und deshalb sollten VS-Gesellschaften keine Bedingungen aufnehmen, wenn sie im Schadenfall doch die Leistung dazu bis zu einem Gerichtsverfahren verweigern oder die Zahlungen Jahre hinaus zögern.

Rüdiger · 9. Juni 2013 at 14:57

Hallo,
also, dass es Unfallversicherungen gibt, die auch solche Zeckenbisse absichern war mir neu. Gut zu wissen, dass es das gibt.
Auch die Ausführungen zu den Infektionsklauseln waren hilfreich. Danke.
LG Rüdiger

Karsten S. · 30. Januar 2016 at 11:52

Hallo, in meiner Unfallversicherung (HDI) ist ein Zeckenbiss/ Borreliose Erkrankung versichert. Nun habe ich aber das Problem, dass mir nicht bewusst ist, wann ich gebissen wurde bzw. wann der Unfall eingetreten ist. Aber genau das möchte die Versicherung nun von mir wissen. Was kann ich tun ohne den Versicherungsschutz zu verlieren?
Vielen Dank im voraus, MfG

Comments are closed.