Diese Frage stellen sich viele werdenden Eltern, wenn ein Elternteil in der PKV und das andere in der GKV versichert ist.

Eine im Internet vielfach verbreitete Fehlinformation lautet: Das Kind muss in die PKV, wenn …..

Falsch. Das Kind muss nie in die PKV. Die Eltern haben immer die Wahlmöglichkeit, so lange eben ein Elternteil GKV versichert ist. Die Frage ist dann nur, ob die Mitgliedschaft in der GKV für das Kind beitragsfrei im Rahmen der Familienversicherung möglich ist oder ob eine beitragspflichtige freiwillige Mitgliedschaft begründet werden muss. Sind beide Elternteile in der PKV, gibt es jedoch tatsächlich keine Wahlmöglichkeit. Dann muss das Kind in die PKV. Das ist aber auch der einzige Fall, wo wir von müssen sprechen.

Ob ein Kind mit oder ohne Beitrag in der GKV versichert wird, hängt von der Familiensituation (Eltern verheiratet ja/nein) und von der Einkommenssituation ab.

Eltern sollten die Entscheidung für eines der Systeme wohl überlegt und unter Abwägung aller Vor- und Nachteile treffen und zwar unabhängig davon, ob und wo ein Beitrag in welcher Höhe gezahlt werden muss. Fristen sind einzuhalten, insofern macht es durchaus Sinn, diese Überlegungen schon in der Schwangerschaft anzustellen, damit die Entscheidung dann nicht, mit Neugeborenem im Arm, zur unüberlegten Schnellentscheidung wird.

Auch wenn es nicht so ganz in die, hoffentlich meist rosige, Schwangerschaftszeit passt: Es ist unablässlich auch darüber nachzudenken, welche Folgen die Entscheidung für oder gegen ein System haben kann, wenn das Kind nicht gesund zur Welt kommt oder später im Leben ernsthaft erkrankt.

Besonders gravierend kann die Entscheidung pro PKV nämlich z.B. dann werden, wenn das Kind (schwer) behindert zur Welt kommt und aller Voraussicht nach nie einen Beruf erlernen wird. Viele Eltern entscheiden sich gerade dann für die PKV, weil sie sich dort eine bessere medizinische Versorgung erhoffen. Dies muss aber nicht zwingend der Fall sein. Die Nachversicherungsgarantie in der PKV beschränkt sich – ohne Gesundheitsprüfung – nur auf den bereits bestehenden Versicherungsschutz des Elternteils, das dort bereits versichert ist. D.h., das Kind kann nicht höherwertiger versichert werden.  Je nach Gesellschaft/Tarif können hier erhebliche Lücken klaffen.

Noch problematischer ist aber der Umstand, dass dieses behinderte Kind, in den allermeisten Fällen und nach heutiger Gesetzeslage, selbst lebenslang an die PKV gebunden sein wird. Auch auf das behinderte Kind kommt irgendwann der Erwachsenentarif und der Wegfall einer reduzierten Selbstbeteiligung zu. Wie soll ein Kind bzw. späterer Erwachsener, der keinen Beruf erlernen/ausüben kann und somit niemals die GKV-Pflicht selbst auslösen kann, die Beiträge einer PKV-Vollversicherung überhaupt finanzieren? Kann es das überhaupt? Und was ist, wenn das Kind zwar gesund zur Welt kommt, aber später durch Unfall oder Krankheit in die Lage versetzt wird, ebenfalls keine GKV-Pflicht auslösen zu können? Noch gibt es für diese Fälle einen Weg über die Schwerbehinderung, allerdings auch mit Fristen verbunden, die häufig leider aus Unkenntnis versäumt werden. Aber wird es diesen Weg auch in 25 Jahren noch geben? Garantiert ist das nicht.

Welche Überlegungen sollten werdende Eltern daher anstellen?

1. Prüfung des aktuellen PKV-Vertrages, sich der Lücken bewusst werden, ggf. und wenn möglich, vor der Geburt noch aufstocken (z.B. Abschluss Pflegetagegeld, Tarifwechsel).

2. Prüfung  der Vermögensverhältnisse: Wie kann ich für mein Kind soweit vorsorgen, dass es in der Lage ist, ggf. selbst lebenslang die PKV zu finanzieren, auch wenn ich nicht mehr da bin?

3. Prüfung, welche Verträge zusätzlich zum Schutz des Kindes möglichst bald abgeschlossen werden sollten (z.B. private Unfallversicherung, Kinderinvaliditätsversicherung, Risikolebensversicherung für Eltern, Pflegerente)

4. Auseinandersetzung mit beiden Systemen. Wo liegen jeweils die Vorteile und wo muss ich Nachteile in Kauf nehmen? Wann und mit welchen Voraussetzungen kann ich die getroffene Entscheidung ggf. später noch revidieren?

5. Falls die Entscheidung pro GKV fällt: Welche Zusatzversicherung(en) sollte ich wo abschließen und wann ist hierfür jeweils der beste Zeitpunkt? Macht ggf. ein Wechsel der GKV Sinn? Im Prinzip ähneln sich die Leistungen der GKV; dennoch gibt es auch hier den einen oder anderen Unterschied, der gerade für Kinder interessant sein kann, wie z.B. Übernahme zusätzlicher Vorsorgeuntersuchungen oder Übernahme von Osteopathie, Erstattung homöopathischer Mittel, etc.

6. Wenn die künftige Mutter die GKV-Versicherte ist: Welche Zusatzversicherung(en) sollten abgeschlossen werden?

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Categories: Krankenversicherung

6 Comments

Chaled · 4. Februar 2013 at 00:02

Interessanter Beitrag, aber ein Aspekt fehlt mir. Wann ist ein Kind beitragsfrei in der GKV versichert? Dabei ergeben sich einige Fragen: Kommt es darauf an, welches Elternteil mehr verdient? Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt muss dieses Elternteil mehr verdienen, bei Geburt, nach dem dritten Monat? Oder über welchen Zeitraum? Ein Jahr, zwei Jahre, noch mehr?

Danke und viele Grüße

    Angela Baumeister · 4. Februar 2013 at 11:10

    Hallo, es kommt in der Tat detailliert auf den Verdienst der Elternteile an. Da gibt es verschiedene Konstellationen bzw. denkbare Szenarien. Verheiratet/Nicht verheiratet? Einkommen beide über JAEG? Oder beide drunter? Oder einer drüber und einer drunter? Welcher Elternteil ist mit welchem Einkommen in der PKV? Wer in der GKV mit welchem Einkommen? Schwanken die Einkommen? Von einem oder von beiden? Hier empfiehlt es sich, mit den Einkommensnachweisen zur Kasse zu gehen und dort zu fragen, ob das Kind beitragsfrei- oder beitragspflichtig mit versichert werden kann. Die Kasse prüft jedes Jahr neu, ob die Familienversicherung noch beibehalten werden kann. Es kann also – bei schwankenden Einkünften oder Änderung bei der Einkommenssituation – durchaus sein, dass es mal beitragsfreie oder beitragspflichtige Jahre im Wechsel gibt.
    Viele Grüße
    Angela Baumeister

flo · 28. Februar 2013 at 21:24

Hallo,
bei uns gestaltet sich der Sachverhalt etwas anders. Ich (männlich) bin in der GKV und zahle den Höchstsatz. Meine Frau (Beamtin mit entsprechender Beihilfe) ist in der PKV.
Nun ist der PKV-Berater meiner Frau der Auffassung, dass unser ungeborenes Kind zwingend in die GKV integriert werden muss, da ich schließlich der „Großverdienter“ bin. Es ist allerdings so, dass wir beide deutlich über der Beitragsbemessungsgrenzen (ca. 52 TSD EUR???) liegen und ich eben in der GKV versichert bin. Wie ist denn hier die Sachlage?
Vielen Dank für Ihre Antwort!

Dennis · 1. März 2013 at 09:06

Hallo Flo,

die Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten, da es zum Einen auf die Beihilfeart der Gattin ankommt, zum Anderen auf die exakten Einkommen. Mit über 104.000€ Jahreseinkommen sind Sie aber problemlos in der Lage sich zu dem Punkt von Frau Baumeister gegen ein Honorar ausführlich und rechtsicher beraten zu lasen.

Mit freundlichen Grüßen
Dennis

Joachim Wöhrle · 10. Oktober 2015 at 16:28

Hallo,
ich habe noch eine Frage zu dem Artikel.
Ich bin privat versichert, meine Frau freiwillig gesetzlich. Ich hatte vor einiger Zeit einen Unfall und bekomme seither mein Einkommen aus einer BU sowie aus der Erwerbsminderungsrente. Beide Einkommen zusammen sind höher als das Einkommen meiner Frau. Zählt dieses Einkommen auch als „Verdienst“ oder wäre in diesem Fall für unsere Tochter wieder in die beitragsfreie Familienversicherung möglich?

    Angela Baumeister · 11. Oktober 2015 at 15:16

    Eine rechtsverbindliche Auskunft zu Ihrer Frage werden Sie nur über ein honorarpflichtiges Mandat bekommen können. Ich selber biete diese Dienstleistung nicht an. Insofern sollten Sie einem anderen Versicherungsberater oder einem Rentenberater einen Auftrag erteilen.

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