Bei den meisten Gesellschaften kann man mittlerweile seine Verträge selbst online abschließen. Dazu gibt es unzählige Versicherungsvergleichsprogramme, die ebenfalls einen direkten Online-Abschluss ermöglichen.

Ist das sinnvoll?

Nein, und zwar ganz und gar nicht. Was auf den ersten Blick wie „schneller Abschluss ohne nervigen Vermittler“ oder „ist das billig“ aussieht, entpuppt sich im Schadensfall oft als Bumerang.

Warum?

Weil der durchschnittliche Versicherungslaie in aller Regel nicht weiß, was sich hinter gewissen Klauseln verbirgt und was das im Schadensfall für ihn bedeutet.

Hinter Vergleichsprogrammen stehen in aller Regel Versicherungsmakler, wenn es nicht die direkte Seite des Unternehmens ist, auf der Sie landen.

Vorteil für den Versicherer/Versicherungsmakler: Schnell verdientes Geld (Provision/Courtage) ohne Arbeit und vor allem ohne Haftung.

Vorteil für Sie: Keiner

Nachteil für den Versicherer/Versicherungsmakler: Keiner

Nachteil für Sie: Lücken im Versicherungsschutz, keine Beratung, schlechte Verträge hinsichtlich Preis-/Leistungsverhältnis, mögliche Überversicherung oder Unterversicherung. Und dabei kostet es nicht einmal weniger, als wenn Sie die Beratung in Anspruch nehmen.

Warum sollten Sie dann jemandem die Arbeit abnehmen, der dafür bezahlt wird? Es gibt keinen Grund dafür.

Praxisbeispiele für Online-Abschlüsse mit unbekannten Lücken: (Hier können nur einige, der häufig vom Laien nicht erkannten Risiken einer Versicherungssparten vorgestellt werden)

Kraftfahrtversicherung: Sie übersehen, dass der Vertrag eine Werkstattbindung enthält. Im Schadensfall suchen Sie daher, so wie immer, die Vertragswerkstatt auf. Der Versicherer ist berechtigt, die Leistung zu kürzen. Oder: Sie wissen zwar über die Werkstattbindung Bescheid, übersehen aber, dass in Ihrem Leasing/Finanzierungsvertrag vorgeschrieben ist, dass Sie die Vertragswerkstatt aufsuchen müssen. Mit dieser arbeitet der Versicherer aber nicht zusammen.

Haftpflichtversicherung: Sie sind Mieter eines Mehrfamilienhauses mit Schließanlage und verlieren einen Schlüssel. Wenn der Haftpflichtversicherer diesen Schlüsselverlust nicht mitversichert hat, dann zahlen Sie unter Umständen mehrere tausend Euro selber. Oder: Ihr deliktunfähiges Kind zerkratzt das Auto Ihres Nachbarn. Der ist natürlich stinkesauer. Sie haben aber die Aufsichtspflicht nicht verletzt,  müssen daher für den Schaden nicht aufkommen. So einen handfesten Nachbarschaftsstreit kann man vermeiden, in dem man eben einen entsprechenden Vertrag wählt. Oder: Sie werden von einem Dritten geschädigt, der hat aber keine Haftpflichtversicherung und auch kein Geld Ihnen den Schaden zu ersetzen. Entweder „jagen“ Sie diesen fortan mit dem Gerichtsvollzieher oder aber Sie haben eine entsprechende Absicherung mitversichert.

Hausratversicherung: Advent-Advent, ein Lichtlein brennt. Bald ist es wieder soweit. Sie verlassen den Raum kurzzeitig und leider brennt im Anschluss mehr als ein Lichtlein. Der Versicherer stellt fest, dass Ihnen ein grob fahrlässiges Verhalten angelastet werden kann und zwar in der Größenordnung 50%. Das heißt: 50% des Schadens zahlen Sie selbst. Gut, dass es Versicherer gibt, die auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit verzichten. Wissen Sie welche? Und wissen Sie, dass es auch innerhalb der Gesellschaften, die das anbieten, auch noch Detailunterschiede gibt? Oder: Sie haben Ihren Hausrat grob geschätzt und damit die Versicherungssumme ermittelt. Dabei haben Sie sich aber verstärkt auf die teuren Gegenstände, wie Möbel, Elektrogeräte, etc. konzentriert und auch nicht die Neupreise angesetzt. Sie sind damit höchstwahrscheinlich unterversichert. Wissen Sie, dass das auch schon bei fehlendem Unterversicherungsverzicht bei kleineren Schäden relevant wird?

Unfallversicherung: Sie haben einen Unfall und davon bleibende Schäden (Invalidität) zurück behalten. Nun stellt der Gutachter fest, dass unfallunabhängige Erkrankungen mitgewirkt haben, und zwar zu 30%. Da Sie einen Vertrag haben, der den Versicherer berechtigt, ab 25% Mitwirkung zu kürzen, erhalten Sie entsprechend weniger Geld. Hätten Sie einen anderen Versicherer mit höherer Grenze gewählt, hätte der Mitwirkungsanteil keine Rolle gespielt und Sie hätten die volle Leistung erhalten. Oder: Sie wählen eine zu geringe Versicherungsumme. Bei einem schweren Unfall kann dies Ihre Existenz erheblich gefährden. Wie weit kommen Sie wohl mit 100.000 € bei Vollinvalidität? Nicht sehr weit, fürchte ich.

Lassen Sie sich lieber im realen Leben von einem Fachmann beraten. Wenn dann etwas schief läuft, haben Sie wenigstens jemanden, den Sie haftungstechnisch mit ins Boot nehmen können. (zumindest, wenn es sich um einen Versicherungsmakler oder Versicherungsberater handelt)

Ich selbst führe keine Tarifrecherchen durch. Dieser Beitrag dient daher ausschließlich Ihrer Information.

 

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