Braucht man eine Unfallversicherung?


Das Handelsblatt berichtet über unnütze Versicherungenund stuft die Private Unfallversicherung als solche ein.

Versicherung Fail

Sind Unfallversicherungen wirklich unnötig?

Ich teile die Meinung des Handelsblattes nicht. Nach meiner Auffassung ist eine Private Unfallversicherung mindestens unverzichtbar für

  • Hausfrauen/Hausmänner
  • Kinder
  • Menschen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung finanzieren oder aus gesundheitlichen Gründen erhalten können
  • Senioren

Brauchen dann nur diese Menschen eine Unfallversicherung?

Nein. Empfehlenswert ist sie auch für alle anderen Menschen. Und zwar auch dann, wenn bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung besteht. Bei bestehender Berufsunfähigkeitsversicherung können die Versicherungssummen aber etwas geringer sein.

Der Handelsblatt-Artikel verkennt meiner Auffassung nach völlig, dass aus der Unfallversicherung bei schweren Unfallfolgen ein Invaliditätskapital gezahlt wird.


Sicherlich sind schwere, folgenreiche Unfälle statistisch gesehen glücklicherweise eher selten. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist aber auch bei anderen Sparten teilweise selten. Oder kennen Sie zig Menschen, deren Haus abgebrannt ist?

Die Private Unfallversicherung gehört zum Grundschutz der abzusichernden existenziellen Risiken. Zumal sie mit ihrem Beitrag absolut bezahlbar, im Vergleich sogar billig, ist.

Muss man bei der  Größenordnung (0,50-0,70 Ct pro Tag für 3köpfige Familie) wirklich darüber diskutieren, ob man ein existenzielles Risiko abdeckt?

Es kann nun einmal jeden von uns treffen. Jeden Tag und überall. Nicht nur Extremsportler, die überdies auch oft auch speziellen und höherpreisigen Schutz brauchen, wenn sie ihn denn überhaupt bekommen.

Reale Invaliditäts-Fälle:

  • Mutter von drei kleinen Kindern stürzt auf dem Weg zum Einkaufen mit dem Fahrrad und zieht sich schwere Kopfverletzungen zu. Folge: Apallisches Syndrom
  • Prominentes Beispiel Michael Schumacher. Dieser zog sich seine Verletzung nicht bei seinem Extremsport zu, sondern bei einem Freizeitunfall beim Skifahren.
  • Junger Mann kommt während seines Urlaubes mit seinem Motorrad aus ungeklärter Ursache und ohne Fremdverschulden von der Fahrbahn ab. Folgen: Diverse Knochenbrüche und Amputation eines Beines.
  • Ertrinkungs-Unfall eines Kindes mit Sauerstoffunterversorgung. Folgen: Extreme und irreparable Hirnschädigungen, dauernder Pflegefall
  • Junger Mann fährt Fahrrad, ist unaufmerksam und übersieht einen herabhängenden Ast: Schweres Schädel-Hirntrauma, pflegebedürftig

Sicherlich kommt die Krankenversicherung für die Behandlungskosten auf. Auch die Pflegeversicherung wird in vielen Fällen einspringen. Wer abgesichert ist, erhält ggf. auch eine Rente von seiner Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei Berufsunfällen zahlt die Berufsgenossenschaft (wenn abgesichert). Damit sichern Sie (ggf. weitestgehend) Ihren weiteren Lebensunterhalt.

Davon kann man aber in aller Regel kein(en)….

  • …. Spezialbehandlungen oder spezielle Hilfsmittel einkaufen,
  • …. Spezialbehandlungen im Ausland einkaufen,
  • …. Haus umbauen oder einen Umzug in ein behindertengerechtes Haus finanzieren,
  • …. regelmäßige (ggf. tägliche) Besuche des Unfallopfers in Spezialkliniken
    (oft nicht direkt am Wohnort) finanzieren,
  • …. längerfristige Mitaufnahme bei Kindern im Krankenhaus finanzieren
    (gerade, wenn noch andere Kinder im Haushalt sind),
  • …. längerfristigen und unbezahlten Urlaub nehmen, um z.B. die Versorgung der Kinder zu gewährleisten, wenn der versorgende Ehepartner ausfällt oder das Kind verunglückt und weitere Kinder im Haushalt leben,
  • …. Dauerpflege des Unfallopfers zu Hause übernehmen,
  • …. Pflege/Versorgung seines verunfallten Kindes auch über den eigenen Tod hinaus gewährleisten

Unter diesen Aspekten ist es mir absolut unverständlich, wie man von einer Unfallversicherung abraten kann.

Wieso ist der Hausrat von Menschen mehr Wert als die Gesundheit? Sicherlich ist der abgebrannte Hausrat für die meisten von uns höchst dramatisch. Man steht vor dem Nichts.

Solange Sie aber zwei gesunde Hände haben, können Sie auch aus dem Nichts heraus wieder von vorne anfangen.

Wieso wird ein Auto vollkaskoversichert? Der Mensch aber nicht?

Ich möchte hier keinesfalls die Hausrat- oder Vollkaskoversicherung als überflüssig darstellen. Die Relation zur Unfallversicherung passt aber nicht. Die Unfallversicherung kommt noch vor der Absicherung von Sachwerten.

Die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit ist unser höchstes Gut.

Passen Sie auf sich auf.

Versicherungsberaterin Angela Baumeister

geb. 1969 in Düsseldorf, mit Leib und Seele seit 2009 in eigener Kanzlei als Rechtsdienstleisterin (Versicherungsberaterin) tätig.
Schwerpunkte: Berufsunfähigkeit Rentenanspruch und Invalidität.
Weitere Infos? Gerne: Mehr über Angela Baumeister erfahren

Oder anrufen: +49 (0)2154 9534770

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    Angela Baumeister

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    12 Comments

    Niklaus · 3. November 2014 at 10:04

    Hallo Frau Baumeister,

    sehr guter Kommentar. Diesen Beitrag sollten wir jetzt noch auf die HB Seite posten.

    Beste Grüße
    Edgar Niklaus

      Angela Baumeister · 6. November 2014 at 19:48

      Hallo Herr Niklaus,

      vielen Dank für Ihr positives Feedback. Ich glaube das Handelsblatt mag Verlinkungen nicht so gerne und schlussendlich werden die Kommentare wohl nur von einer überschaubaren Anzahl von Leuten gelesen. Die Verbraucher lesen den Artikel und treffen dann im Vertrauen auf die Richtigkeit, vielleicht eine folgenreiche Fehlentscheidung.

      Viele Grüße
      Angela Baumeister

    Thomas Schwörer · 3. November 2014 at 10:32

    Hallo Frau Baumeister,
    Sie treffen genau meine Meinung. Auch ich war über die Einschätzung des HB erstaunt. Leider verbreiten viele „Journalisten“ solche Aussagen ohne allzuviel Ahnung von der Sache zu haben.
    Viele Grüße
    Thomas Schwörer

      Angela Baumeister · 6. November 2014 at 19:46

      Hallo Herr Schwörer,
      leider ist es oft so, dass im Versicherungsbereich von den Journalisten viel Unsinn geschrieben wird. Manchmal ist es aber auch der „Zulieferer“, der falsche Informationen liefert. Insgesamt täte die Presse gut daran, Fachjournalisten, die fit in dem jeweiligen Bereich sind, einzusetzen. Gerade was den Finanz- und Versicherungsbereich betrifft.
      Viele Grüße
      Angela Baumeister

    Frank Eßmann · 4. November 2014 at 12:02

    Sehr gelungener Beitrag ! Danke dafür

    Beste Grüße,
    Frank Eßmann

      Angela Baumeister · 6. November 2014 at 19:44

      Vielen lieben Dank!
      Gruß zurück
      Angela Baumeister

    Astrid Radtke · 5. November 2014 at 13:19

    Irgendwie gewinne ich den Eindruck, dass hier für Berufsunfähigkeit Werbung gemacht werden soll. Viele vor allem ältere Selbstständige können sie aber die Beiträge zu einer Berufsunfähigkeit gar nicht leisten.

    Mit einer Unfallversicherung – die, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sehr günstig sein kann – können die schlimmsten Folgen eines Unfalls wie z. B. Invalidität abgedeckt werden.
    Die beiden Versicherungen können sich im Normalfall ergänzen.
    Mir scheint mit solchen Beiträgen wie im HB soll das Totenglöckchen für die Unfallversicherung zugunsten einer teureren Berufsunfähigkeitsversicherung geläutet werden.

      Angela Baumeister · 6. November 2014 at 19:43

      Hallo Frau Radtke,
      ja, es ist Tatsache, dass viele Menschen sich eine BU nicht leisten können oder auch aus gesundheitlichen Gründen keine bekommen. Sicherlich ist die Unfallversicherung nur eine Ausschnittsdeckung – aber immerhin für relativ kleines Geld und mit kurzer Gesundheitsprüfung (wenn überhaupt) zu haben. Ideal ist, wenn man beides hat: ausreichende BU + kleine Unfallversicherung.
      Viele Grüße
      Angela Baumeister

    Arne Geffert · 22. Februar 2015 at 19:13

    Hallo Frau Baumeister,

    prinzipiell finde ich die BU wichtiger als die Unfallversicherung.

    Zur Kombination „BU + Unfallversicherung“: Ich verstehe Ihre Argumentation so, dass man über die BU seinen Lebensunterhalt sichern sollte, wenn man einen schweren Unfall hat, der zur Invalidität führt. Über die zusätzliche Unfallversicherung kann man Spezialbehandlungen und Umbauten finanzieren.

    Was mich an der Unfallversicherung stört, ist die Tatsache, dass laut Statistik nur relativ wenige schwere Invaliditäten durch einen Unfall ausgelöst werden. Sollte man dann nicht besser – Ihrer o.g. Argumentation folgend – eine Dread-Disease-Versicherung in Ergänzung zur BU abschließen? Denken Sie z.B. an schwere Krankheiten, die zur dauerhaften Invalidität führen und ebenfalls Umbaumaßnahmen sowie Spezialbehandlungen erfordern.

      Angela Baumeister · 22. Februar 2015 at 20:30

      Hallo Herr Geffert,

      auch die Dread-Disease ist nur eine Ausschnittsdeckung. Was nützt Ihnen diese, wenn Sie eben keinen Krebs bekommen, sondern aufgrund eines Unfalles, querschnittsgelähmt sind? Nichts. Genauso wenig, wie Ihnen die Unfallversicherung nützlich ist, wenn Sie Krebs bekommen. Mich störte an dem Artikel des Handelsblattes vorrangig, dass die Unfallversicherung als überflüssig dargestellt wurde. Denn das ist sie ganz sicher nicht und für einige Gruppierungen eben auch existenziell (siehe Artikel)

      Ob sie im Einzelfall verzichtbar sein kann, ist noch die andere Frage, die aber nur jeder für sich individuell beantworten kann. Hier spielen sonstige Absicherungen, sonstiges Kapital im Rücken, aktuelles Lebensumfeld eine Rolle.

      Grundsätzlich bekommt man (und zwar jeder und das weitestgehend ohne Gesundheitsprüfung) für recht kleines Geld, einen wertvollen Versicherungsschutz.
      Sofern Sie die Statistik ansprechen: Diese Denkweise ist auch nur dann hilfreich, wenn Sie eben nicht zu denjenigen gehören, die es dann doch trifft.

      Bei Dread Disease gibt es eine Gesundheitsprüfung und sie ist um einiges teurer als eine Unfallversicherung. Zudem sind die Leistungshürden sehr, sehr hoch! Und sie ist und bleibt eine Ausschnittsdeckung – eben genau, wie die Unfallversicherung.

      „Sich versichern“ bzw. der Wunsch nach Absicherung hat auch immer ganz viel mit eigenen Ängsten zu tun. Szenarien, die man sich vorstellen kann und Szenarien, die man ausschließt. Szenarien, die man schon im nahen Umfeld miterlebt hat, prägen da sicherlich auch. Es gibt Menschen, die versichern sich gegen alles. Es gibt Minimalisten, die ein gesundes Vertrauen ins Leben haben und nur das Nötigste absichern. Das ist legitim und muss jeder selber wissen.

      Dazu gehört dann aber auch, eben nicht zu jammern, wenn es einen dann trifft und man ist nicht (ausreichend) versichert. Das ist dann eben das Risiko, das man trägt.

      Aus Beratersicht gibt es eben die Kategorien „Muss man haben“, „Sollte man haben“, „Braucht man nicht“. Und eine Unfallversicherung gehört ganz sicher in die Kategorie „sollte man haben“. Wer sich dann dennoch dagegen entscheidet, was ja okay ist, der muss dann halt mit den Konsequenzen leben. Wer aus Beratersicht die Unfallversicherung in „Braucht man nicht“ einstuft, sollte besser seine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung nicht weit weg legen.

      Und ich kann nur jedem ans Herz legen, der seine Unfallversicherung aufgrund einer Beraterempfehlung kündigt, sich diesen Kündigungsrat schriftlich geben zu lassen. Gleiches gilt für die Einstufung in „braucht man nicht“ bei Beratungen zum Vertragsabschluss.

      Das Handelsblatt ist ja leider nicht haftbar zu machen für diese „Einstufung“.

        Arne Geffert · 14. März 2015 at 17:06

        Hallo Frau Baumeister,

        mit dieser Erklärung kann ich Ihren Artikel besser einschätzen. Die Überlegungen mit der Statistik sollte man also immer nur ergänzend anstellen (z.B. wenn man aufgrund eines größerens Vermögens eigentlich auf die Versicherung verzichten könnte).
        Insgesamt erscheint mir das Absicherungskonzept also am besten, wenn man BU + Unfall + Dread Disease hat, sofern man sich das leisten kann.

        In dem Handelsblatt-Artikel hatte ich das Wort „unnütz“ nicht so ernst genommen. Manchmal geben Redakteure die Aussagen der Interviewpartner auch nicht ganz korrekt wieder (wer weiß?).

        Deutlich heftiger finde ich noch diesen FAZ-Artikel:
        http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/vermoegensfragen/private-pflegeversicherung-fragwuerdig-und-teuer-13014441.html
        Hierin werden viele Policen nicht nur als „überflüssig“, sondern sogar als „Müll“ bezeichnet. Der Verfasser bezeichnet damit (indirekt) Policen wie Unfall, Pflege oder Dread Disease als „Müll“ und rät zur Kündigung. Ich gehe davon aus, dass Sie diese Policen nicht als „Müll“ einstufen würden…

    Peter Heckmann · 22. Juni 2015 at 08:01

    Sehr geehrte Frau Baumeister,
    danke für den tollen Beitrag. Als Versicherungsmakler für Familien kann man bei mir überhaupt kein Kunde werden, wenn man nicht bereit ist, seine Familie für kleines Geld gegen Unfälle abzusichern. Den Journalisten ist zu größten Teil in Sachen Berichterstattung über Versicherungsschutz nicht über den Weg zu trauen. Die Blätter sind voll von Berichten über falsch versicherte Familien. Da scheinen die Deutschen Milliarden für Skibruch-, Brillen- und Handyversicherungen auszugeben, während die ach so wichtige BU-Rente vernachlässigt wird. Die hier genannten unsinnigen Policen sind in der Praxis vernachlässigbar. 10€ Jahresprämie für eine Brillenversicherung helfen bei Einsparung wenig zur Finanzierung einer BU-Rente. Fakt ist, dass es in der Presse 2 Universen gibt: das eine in dem sich jeder eine BU – auch für Hausfrau-, eine Pflegezusatzversicherung, eine Riester-Rente, usw. leisten kann und ein Universum in dem die echten Menschen leben und sehen müssen, wie sie mit ihrem Geld hinkommen.

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