Heute berichtet LN Online über einen Versicherungsfachmann, der sich mutmaßlich zwei Finger selbst absägte, um eine ordentliche Versicherungssumme zu kassieren.

Zum Artikel: Hohe Versicherungssumme – sägte sich Mann absichtlich zwei Finger ab?

Grundsätzlich geht man beim Merkmal der Unfreiwilligkeit des Unfallbegriffes vom redlichen Versicherungsnehmer aus, d.h. es wird nicht pauschal unterstellt, dass jemand sich selbst verletzt bzw. verstümmelt hat.
In diesem Fall scheint die Beweislage jedoch erdrückend für den Angeklagten zu werden.

Ich will nicht vorgreifen, ob er es freiwillig tat oder nicht. Um das beurteilen zu können, müsste ich die komplette Akte lesen.  Nichts desto trotz gehen aus dem Artikel schon einige Fakten hervor, die durchaus dafür sprechen:

  • Unverhältnismäßig hohe Versicherungssumme – verteilt auf mehrere Versicherer
  • verschwundene Amputate, die später wieder auftauchen und Eigenarten aufweisen
  • unglaubwürdiger Unfallhergang, der von der Rechtsmedizin angezweifelt wird
  • sich selbst verbinden und dann selbst zur Klinik zu fahren

Sollte sich jetzt noch eine angespannte finanzielle Lage darstellen und/oder sich der Verdacht des Rechtsmediziners erhärten, hat der Versicherte sehr schlechte Chancen, auch nur einen Cent Entschädigung zu sehen.

Dazu kommt, dass Versicherungsbetrug kein Kavaliersdelikt ist und er sich auch strafrechtlich verantworten muss.

Zu guter Letzt fehlen ihm für den Rest seines Lebens zwei Finger. Vom seelischen Trauma, den ein solcher Akt nach sich ziehen muss, will ich gar nicht sprechen.

Meine dringende Bitte: Falls Sie diesen Artikel lesen, weil Sie gerade etwas ähnliches planen. Lassen Sie es. Das geht selten gut. Lesen Sie hierzu auch meinen Artikel über das Urteil des OLG Hamm.

Auch Leute vom Fach (also Ärzte, medizinisches Fachpersonal) scheitern an der Hürde solcher fingierter Unfälle. Sie als medizinischer Laie sowieso.

KN-Online berichtet heute, am 31.10.2014, dass der Versicherungsfachmann wegen Versicherungsbetrugs verurteilt wurde.

 

Foto: Pixabay von Myriams-Fotos

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