Häufig lehnen Versicherer bei Erreichen eines bestimmten Promillewertes die Leistungspflicht pauschal ab. Der Versicherer muss das Vorliegen einer alkoholbedingten Bewusstseinsstörung beweisen. Das fällt ihm naturgemäß leichter, wenn eine Blutprobe entnommen wurde und ein entsprechend hoher Promillewert ermittelt wurde. So auch in einem kürzlich abgeschlossenen Mandat.

Der Mandant übergab den Vorgang seinem Anwalt. Dieser schloss sich der Rechtsauffassung des Versicherers an. Mehrfach betonte der Anwalt in seinem Anschreiben an den Mandanten die sehr geringen Erfolgsaussichten in diesem Fall.

Richtig ist, dass die Rechtsprechung einige Richt- und Grenzwerte festgelegt hat. In meinem Artikel „Bewusstseinsstörungen durch Alkohol“ habe ich bereits über diese Grenzen berichtet. Nichts desto trotz muss auch immer der Einzelfall genau geprüft und betrachtet werden.

Zu prüfen ist insbesondere: Wie war der genaue Unfallhergang? Gab es Ausfallerscheinungen? Wurden diese Ausfallerscheinungen ärztlich bestätigt? Bestätigt der Arzt in seinem Bericht das Vorliegen einer Bewusstseinsstörung? Wie ist die Konstitution des Versicherten? Wie regelmäßig ist der Alkoholkonsum? Wurde die Alkoholanalyse am Serum oder am Blut durchgeführt? Wenn am Serum durchgeführt, hat der Versicherer das Serum-Resultat auch auf den Promillewert umgerechnet? Wurde nur eine einzige Messung durchgeführt? Wenn ja, wurde dann auch der Sicherheitsabschlag in Abzug gebracht?

Nach Prüfung dieser wesentlichen Punkte kam ich schlussendlich zu einem anderen Prüfungsergebnis als der Rechtsanwalt.  Unbestritten lag ein hoher Promillewert vor. Unbestritten ist dieser auch regelmäßig geeignet eine alkoholbedingte Bewusstseinsstörung auszulösen. Unbestritten sprachen Unfallort und Unfallzeitpunkt gegen den Mandanten. Dennoch befand ich die Erfolgsaussichten in diesem Fall nicht so gering, wie der Rechtsanwalt.

Denn: Der Versicherer hat den Serum-Wert nicht umgerechnet. Es gab nur ein Messverfahren (was prozessual eher ungünstig für den Versicherer ist). Der Sicherheitsabschlag wurde nicht berücksichtigt und der erstbehandelnde Arzt verneinte das Vorliegen einer alkoholbedingten Bewusstseinsstörung. Der Beweis des Ausschlusses wäre für den Versicherer demnach nicht so ohne Weiteres möglich gewesen.  Hier wäre es bei einem Rechtsstreit im Wesentlichen wohl darauf angekommen, welchen Sicherheitsabschlag der Richter für angemessen hält. Wie glaubwürdig der Zeuge zum Unfallhergang eingestuft wird. Was eine konkrete Nachbefragung des Arztes ergeben hätte (schließlich war er beim Unfall nicht dabei und kann streng genommen weder bestätigen noch ausschließen, dass eine Bewusstseinsstörung vorgelegen hat). Das Risiko für beide Seiten zu gewinnen/zu verlieren schätzte ich daher eher mit 50/50 ein, mit tendenziell eher höherem Prozessrisiko beim Versicherer.

Dieser Vorgang war demnach bestens für einen außergerichtlichen Vergleich geeignet. Ein Telefonat mit dem Sachbearbeiter, ein kurzer Schriftwechsel mit der Darstellung meiner Bedenken gegen die Ablehnung und der Versicherer bot mehr als die Hälfte der Entschädigung als Vergleich an. Hiermit war der Mandant nach meiner Empfehlung auch einverstanden.

Erfolgreich BU Rente

Deshalb: Leistungsfälle Unfall gehören genau geprüft und nicht grob abgeschätzt. Was im Allgemeinen so gilt, muss nicht zwingend auch in Ihrem Fall gelten.

Möchten Sie Ihren Fall prüfen lassen?

 

Foto: Pixabay von geralt

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