Den Beschluss des OLG Hamm vom 11.2.2011 nehme ich zum Anlass, hier über den erweiterten Unfallbegriff zu informieren.

Expertentipp von Kanzlei Baumeister

Die Definition des Unfallbegriffes gliedert sich sozusagen in zwei Bereiche. Den ersten Teil der Definition finden Sie in meinem Artikel über die Einwirkung von außen.

Der zweite Teil betrifft die sogenannte Unfallfiktion, also ein für den Unfall gleichgestelltes Ereignis. Die Definition lautet:

„Ein Unfall liegt auch vor, wenn durch eine erhöhte Kraftanstrengung an Gliedmaßen oder Wirbelsäule ein Gelenk verrenkt wird oder Muskeln, Sehnen, Bänder oder Kapseln gezerrt oder zerrissen werden.“

Hierbei ist besonders zu beachten, dass die fett gedruckten Aufzählungen abschließenden Charakter haben und zwar hinsichtlich Körperteil und Art der Verletzung. Der Meniskusriss fällt demnach nicht in diese Kategorie – der Meniskus ist ein Knorpelgewebe und somit weder Muskel, Sehne, Band oder Kapsel.

Darüber hinaus muss die Kraftanstrengung erhöht sein. Wann eine Kraftanstrengung normal oder erhöht ist, hängt auch von den persönlichen Verhältnissen des Versicherten ab.

Des Weiteren muss ein Zusammenhang zwischen der erhöhten Kraftanstrengung und der Gesundheitsschädigung vorliegen. Im Verfahren vor dem OLG Hamm fehlte es z.B. auch an dieser Voraussetzung. Die Ärzte haben festgestellt, dass die Sehne stark vorgeschädigt war und dieser Vorschaden zu 100% zum Riss geführt hat. Das Gericht war im Übrigen der Auffassung, dass das Herausheben eines 20 kg Koffers, der sich verharkt, eben keine erhöhte Kraftanstrengung, sondern vielmehr eine normale Kraftanstrengung darstellt. Offensichtlich konnte hier nicht glaubhaft dargelegt werden, dass es für den Versicherten persönlich, eine erhöhte Kraftanstrengung war.

Dies wird in der Praxis sehr oft von Versicherern falsch reguliert. Es macht einen Unterschied, ob eine zierliche, ältere Dame einen sperrigen 20 kg Koffer hievt oder ob es ein stattlicher junger Mann tut. Versicherer und Gutachter schmeißen die Versicherten hier oft in einen Topf und betrachten ausschließlich das Ereignis an sich. Auch hinsichtlich Vorschädigungen wird häufig nicht das Alter des Versicherten hinreichend berücksichtigt. Ein 25jähriger hat naturgemäß eine andere Konstitution als ein 75jähriger. Verschleißerscheinungen bei dem 75jährigen sind im gewissen Grade normal. Der Vergleich hinsichtlich der degenerativen Vorschädigung muss daher zwischen Versicherten derselben Altersklasse erfolgen.

Im vorliegenden Fall des OLG Hamm ist die Einstufung mit 100% Vorschädigung natürlich außerhalb jeder Diskussionsmöglichkeit. Bei geringeren Einstufungen lohnt es sich jedoch, einmal genauer hinzusehen, ob der Verschleiß tatsächlich über das normale Altersmaß hinausgehend ist.

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