Versicherer lassen sich allerhand einfallen, um ihre Versicherten von ihrem Vorhaben den Tarif innerhalb der PKV zu wechseln, abzuhalten. Von der glatten Lüge „es gibt keinen anderen Tarif für Sie“ über „wir sitzen das aus und antworten gar nicht erst auf Schreiben“ bis hin zu „malen wir uns doch einfach mal Pi-mal-Daumen einen Risikozuschlag“ gibt es eine ganze Bandbreite an Reaktionen von Versicherern, um die Versicherten mürbe zu machen.

Neuestes „i-Tüpfelchen“: Das vom Versicherte zu unterschreibende „Panik“-Merkblatt. Vom Versicherer entworfen in 12/2011 – da merkte der Versicherer offenbar schon, dass er sich mit einer erhöhten Anzahl wechselwilliger Versicherten abzugeben hat. Nicht verwunderlich, denn für die Versicherten waren zum Teil monatliche Einsparungen in Höhe von 400,00 Euro und mehr möglich. Und das bei annähernd gleicher Leistung. Meine Mandanten werden natürlich darauf hingewiesen, dass die Zieltarife offenbar nicht auskömmlich kalkuliert sind und auch hier mit Beitragsanpassungen in größerem Umfang zu rechnen ist. Trotzdem: Diese 400,00 Euro Ersparnis muss man im Laufe der Zeit auch erst einmal wieder einholen.

Dieses Panik-Merkblatt gibt der Versicherer den Versicherten an die Hand, die zur Abwendung des Risikozuschlages auf die Mehrleistungen des Zieltarifes verzichten wollen. Es wird – vom Versicherten unterschrieben – zum Vertragsbestandteil.

1. Zukünftige Behandlungen für Krankheiten werden aus Ihrem neuen Versicherungsschutz erstattet, jedoch nicht diejenigen Leistungen, die ihrem Umfang und ihrer Höhe nach den bestehenden Versicherungsschutz übersteigen. Die Mehrleistungen Ihres neuen Versicherungsschutzes sind für alle Erkrankungen und zukünftige Behandlungskosten ausgeschlossen.

Nach meiner Meinung ist das so nicht richtig. Würde der Versicherte den Risikozuschlag zahlen, würde sich der Risikozuschlag auch nur auf die aktuellen Erkrankungen beziehen und nicht auch auf hypothetische Erkrankungen in der Zukunft. Der Risikozuschlag würde auch nicht erhöht werden, wenn es nach dem Tarifwechsel zu weiteren Erkrankungen kommt. Warum hier mit dem Mehrleistungsverzicht anders verfahren werden soll, kann ich nicht nachvollziehen.

2. Der Kunde ist Vertragspartner des Arztes/Behandlers und muss – unabhängig von der Höhe der Kostenerstattung der Krankenversicherung – die Rechnung des Arztes/Behandlers in der gesetzten Zahlungsfrist begleichen.

Panikmache. War schon immer so und wird auch immer so bleiben. Diesen Punkt muss man überdenken, wenn man von der GKV in die PKV wechselt. Ein PKV-Versicherter war schon immer Selbstzahler und wird dies natürlich auch nach einem Tarifwechsel bleiben. Aber so liest sich das natürlich angsteinflößender. Fakt ist aber: Es ändert sich für Sie nichts. Punkt 2 ist daher absolut überflüssig.

3. Wir empfehlen Ihnen, den jeweiligen Behandler vor Beginn von Untersuchungen und/oder Therapien über Einschränkungen im Umfang Ihres Versicherungsschutzes zu informieren.

Macht bei kostenträchtigen Untersuchungen/Therapien immer Sinn, denn kaum ein Versicherungslaie weiß, was er in seinem Vertrag versichert hat und was nicht. Diese Empfehlung gehört bei Vertragsabschluss sicherlich ausgesprochen. Bei einem Tarifwechsler kann man das natürlich gerne noch einmal wiederholen. Macht aber hier keinen Sinn, denn es ändert sich quasi nichts. Wir dürfen nicht vergessen: Hier handelt es sich um ein Merkblatt bei Ausschluss von MEHRleistungen zur Abwendung eines Risikozuschlags. Aber gut: Nehmen wir zur Kenntnis.

4. Die Information der Ärzte/Behandler über die eingeschränkten Leistungen muss während der gesamten Vertragslaufzeit über Jahre hinweg beachtet werden.

Kein Witz. Steht da so. Auch mit den Unterstreichungen. Zur Erinnerung, wir reden über das Merkblatt zum Ausschluss von MEHRleistungen. Ja, aber was heißt das denn, wenn ich die Mehrleistungen nicht bekomme? Richtig. Es gilt diesbezüglich der alte Vertrag weiter. Und? Was ist da nun der Arzt neu und über so schrecklich viele Jahre anders zu informieren als bisher auch schon? Bei einem Merkblatt über MINDERleistungen kann ich den Satz akzeptieren. Aber hier fällt mir wieder nur ein: Panikmache.

5. In Notsituationen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall) können die Ärzte und Behandler nicht auf Lücken im Versicherungsschutz hingewiesen werden und so könnten von diesen Leistungen erbracht und in Rechnung gestellt werden, die Ihr neuer Versicherungsschutz aufgrund der Leistungseinschränkung nicht übernimmt.

Ich weiß, ich wiederhole mich. Wir reden immer noch über das Merkblatt zum Ausschluss von MEHRleistungen. Überdies ist das ein Umstand, der für alle PKV-Versicherten immer gilt. Das war auch schon vor dem angestrebten Tarifwechsel so und wird selbstredend danach auch so sein. Das, was versichert ist, wird erstattet. Das, was nicht versichert ist, wird nicht erstattet und der Patient muss es selbst zahlen. Panikmache.

6. Auch bei weiteren Tarifwechseln wirkt die getroffene Leistungseinschränkung während der gesamten Laufzeit des Versicherungsvertrages fort.

Ja, das kann schon sein. Muss aber auch nicht. Je nach Erkrankung, die zum Risikozuschlag führt, kann man auch über eine zeitliche Begrenzung diskutieren. Warum sollte dies bei einem Mehrleistungsverzicht nicht diskutabel sein, wenn der Versicherte sich zum verabredeten Zeitpunkt einer neuen Gesundheitsprüfung stellt? Ich kann nicht zuraten, dies pauschal zu unterschreiben. Hier muss der Einzelfall betrachtet und ggf. in Diskussion mit dem Versicherer getreten werden.

7. Bereits vereinbarte medizinische Wagnisausgleiche, Leistungsausschlüsse und – einschränkungen behalten weiterhin ihre Gültigkeit.

Das ist in der Regel so. Aber auch hier würde ich durchaus – je nach Erkrankung – mit dem Versicherer diskutieren wollen.

8. Es muss bei der Leistungsauszahlung wegen erhöhtem Prüf- und Bearbeitungsaufwand mit längeren Bearbeitungszeiten gerechnet werden.

Das ist m.E. unverschämt, hierfür eine Unterschrift abzuverlangen. Der Versicherte macht von seinem gesetzlich verankerten Recht Gebrauch und soll dann schlechter gestellt werden als andere Versicherte? Wenn diese Gesellschaft nicht in der Lage ist, geltendes Recht umzusetzen, dann ist das bitte sehr ihr eigenes Problem und nicht das des Versicherten.

Insgesamt finde das Merkblatt eher merkwürdig als merkenswert.