Bei dem Leistungsantrag Berufsunfähigkeit haben Sie bei der Schweigepflichtentbindung in der Regel die Möglichkeit zwischen zwei Varianten zu wählen. Welche Variante in Ihrem individuellen Fall die bessere ist, kann nur im Rahmen eines Mandates besprochen werden. Tendenziell wird für die meisten Fälle die Einzelfallentbindung zu empfehlen sein.

In den meisten Versichererformularen wird diese als Möglichkeit II ausgewiesen.

Eingeleitet wird diese meistens so oder ähnlich:

Schweigepflichtentbindung BU

In der Regel geht es dann weiter mit den Hinweisen, welche Möglichkeiten Sie haben, wenn der Versicherer eine Auskunft benötigt. Sie können dann nämlich für diesen Einzelfall die Entbindung einfach erteilten oder alternativ die benötigten Unterlagen selbst besorgen.

Bis hierhin alles okay.

Dann lesen Sie aber folgendes:
(Versicherer beispielhaft und stellvertretend auch für andere Unternehmen)

ERGO:

„Mir ist bekannt, dass dies zu einer Verzögerung der Antragsbearbeitung oder der Prüfung der Leistungspflicht führen kann.“

ALLIANZ:

„Mir ist bekannt, dass dies zu einer Verzögerung der Antragsbearbeitung oder der Prüfung der Leistungspflicht führen kann. Die für den Mehraufwand entstehenden Kosten sind von mir zu tragen.“

Die Allianz geht dann auch her und lässt sich direkt mit der ersten nötigen Anforderung ein SEPA-Lastschriftmandat über 15,00 € pro Anfrage ausstellen.

GENERALI:

„Mir ist bekannt, dass dies zu einer Verzögerung der Prüfung der Leistungspflicht führen kann und die hierdurch enstehenden zusätzlichen Kosten von mir zu tragen sind.“

Bislang hatte ich allerdings noch keinen Fall, wo die Generali tatsächlich die Erstattung von Mehrkosten verlangt hätte.

AXA:

„Mir ist bekannt, dass dies zu einer Verzögerung bei der Prüfung der Leistungspflicht führen kann.“

AACHEN MÜNCHENER:

„Mir ist bekannt, dass dies zu einer Verzögerung der Antragsbearbeitung oder der Beurteilung der Leistungspflicht ergeben kann.“

COSMOS:

„Mir ist bekannt, dass dies zu einer Verzögerung der Prüfung der Leistungspflicht führen kann.“

ALTE LEIPZIGER:

„Mir ist bekannt, dass die Schweigepflichtentbindung für den Einzelfall zu einer Verzögerung der Prüfung der Leistungspflicht führen kann.“

Positiv fällt mir hier der VOLKSWOHLBUND auf, der seine Versicherten nicht mit mehrseitigen Entbindungserklärungen „erschlägt“ und auch keinerlei Drohgebärden auffährt.

Lassen Sie sich jedoch nicht verunsichern.

Mir ist in der Praxis noch kein Fall bekannt geworden, wo es tatsächlich durch die Wahl der Einzelfallentbindung zu einer Verzögerung der Bearbeitung gekommen ist. Warum auch? Durch die paar Tage Postweg?

Mir ist in der Praxis auch noch kein Fall bekannt geworden, wo tatsächlich Gebühren erhoben wurden. Auch bislang von der Allianz (noch) nicht.

Wenn also nicht andere (individuelle) Gründe gegen die Wahl der Möglichkeit II sprechen, sind diese Drohungen (Stand heute) nicht ernst zu nehmen.

 

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Categories: Berufsunfähigkeit

1 Comment

Martin · 1. März 2017 at 16:44

Danke, der Beitrag ist tatsächlich hilfreich. Da bei der Alten Leipziger auf den § 203 StGB Bezug genommen wird. Soweit ja in Ordnung aber im letzten Absatz die pauschale Rede davon : außerdem stimme ich zu … Gutachter, Rückversicherer …. und an die für die Alten Leipziger beauftragten Rechtsanwälte. Daten , ohne Grund an Anwälte zu übermitteln, die keine medizinische Ausbildung haben , dienen der Prüfung nicht.

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