Der PKV Ombudsmann ist eine Schlichtungsstelle zur außergerichtlichen Streitbeilegung, u.a. zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer. Der PKV-Ombudsmann ist für alle Belange innerhalb des privaten Versicherungsrechts zuständig. Für alle anderen Versicherungszweige ist der Versicherungsombudsmann zuständig.

Eigentlich eine tolle Sache!

Der Versicherungsnehmer kann kostenlos und unbürokratisch (auch über das Internet) seine Beschwerde vortragen und hat so (theoretisch) eine unabhängige juristische Meinung zu seinem Fall.

 

Uneigentlich habe ich gerade diesen Fall:

PKV-Tarifwechsel wird angestrebt. Einige Tarife kommen für den Wechsel infrage. Es sind jedoch für eine Entscheidungsbasis Informationen vom Versicherer nötig.
(konkret: Auflistungen der Mehrleistungen im Zieltarif)

Trotz mehrfacher Aufforderungen, kommt der Versicherer seinen Informationspflichten nicht nach. Er verwechselt mich offenbar mit einem Vertragsvermittler und sagt „schau halt selber nach“. Findet darüber hinaus, dass das Informationsbedürftnis zu hoch ist – also zu viel Arbeit (wir wollten die Mehrleistungen für drei mögliche Zieltarife, also eigentlich überschaubar). Findet, dass die Versicherungsnehmerin sich erst einmal entscheiden soll in welchen Tarif sie will. Das aber kann sie ja aber nicht, wenn die Mehrleistungen nicht benannt werden.

Im Februar 2015 dann: Beschwerde beim PKV-Ombudsmann und Bitte, den Versicherer anzuhalten, seinen Informationspflichten nachzukommen und die Mehrleistungen für die Zieltarife zu benennen.

Bis heute (22.08.2015) hatte ich keine Entscheidung vorliegen. Mehrere Anrufe und Mails an den PKV-Ombudsmann erbrachten immer den Hinweis: Es dauert halt. „Nun gut“, dachte ich da noch. Vielleicht zickt der Versicherer weiter, reagiert nicht oder nur sparsam, sind weitere Rückfragen erforderlich, etc. pp.

Heute dann die Antwort, die mich aus allen Wolken fielen ließ:

Der Versicherer hat schon am 19.03.2015!! ausführlichst auf die Beschwerde geantwortet.

Der Versicherer schreibt z.B.:

Wie sie richtig anführt, haben wir dem im Rahmen der uns zustehenden Informations- und Beratungspflichten nachzukommen. Für die in diesem Zusammenhang stehenden Missverständnisse entschuldigen wir uns ausdrücklich bei Frau Baumeister.

Danach erteilt er über 3 Seiten ganz ausführlich die erbetenen Informationen. Sogar mehr, als eigentlich angefragt wurde.

Weiter schreibt der Versicherer:

Der Beschwerde sollte mit unseren Ausführungen abgeholfen sein.

Der Versicherer sieht also seinen Fehler ein, entschuldigt sich und liefert nach. Prima. So soll es sein.

Der PKV-Ombudsmann braucht jetzt also sage und schreibe 5 Monate, um dieses Schreiben an mich weiterzuleiten?

Dann schreibt er eine ganze Seite über Themen, die gar nicht Inhalt der Beschwerde waren. Offenbar hat er sich da ein Standardschreiben geholt, der auf Tarifwechsel mit Mehrleistungen bzw. Mehrleistungsverzicht eingeht. Dann geht er weiter zum Risikozuschlag. Auch nicht Thema der Beschwerde.

Und dann der Knaller:

Vor diesem Hintergrund kann ich die Vorgehensweise der XX Krankenversicherung nicht beanstanden. Ich bedauere, abschließend keine günstigere Mitteilung machen zu können, hoffe jedoch, Ihnen mit meinen Ausführungen meinen Standpunkt nachvollziehbar gemacht zu haben.

Ähm. Nein, nicht wirklich, lieber Herr Lanfermann. In der Schule hieße sowas: Am Thema vorbei, sechs, setzen bitte.

Um das Ganze noch einmal zusammenfassen:
Der Versicherer liefert Informationen erst nach Einschaltung des PKV-Ombudsmannes, sieht seinen Fehler ein, entschuldigt sich, liefert nach!
Der PKV-Ombudsmann weist meine Beschwerde als unbegründet zurück!

Da habe ich gefühlte 100 Fragezeichen über dem Kopf schweben.

Der PKV-Ombudsmann wurde zu einer Stellungnahme und Korrektur aufgefordert. Ich werde berichten.


Ergänzung 24.08.2015: Der Versicherungsbote berichtet

Ergänzung 07.09.2015: Zwischenzeitlich ging eine Stellungnahme des PKV-Ombudsmannes ein. Es wurde sich entschuldigt; na ja, zumindest indirekt mit viel Schmückwerk drumherum. Damit ist dieser Fall für mich erledigt.