Bei diesem Rechtsstreit ging es um einen Schweißer, der seinen Berufsunfähigkeitsversicherer auf Leistung verklagte, da er durch eine Erkrankung Marcumar (= hemmt die Blutgerinnung) einnehmen musste. Hierdurch ist er bei Verletzungen einem erhöhten Blutungsrisiko ausgesetzt. Dieses Urteil lässt sich m.E. auch auf andere handwerkliche Berufe übertragen. Das Gericht entschied zu Gunsten des Versicherers.

Amtlicher Leitsatz des Gerichts:

„Berufsunfähigkeit liegt nicht vor, wenn der als Schweißer tätige Versicherungsnehmer nach einer Thrombosebehandlung marcumarisiert ist und die bloße theoretische Möglichkeit von inneren Blutungen aufgrund von Arbeitsunfällen besteht.“

Laut Urteilsbegründung muss ein „Mindestmaß an Prognosesicherheit im Sinne einer rational begründbaren Vorhersehbarkeit in Form einer ernsthaften Befürchtung“ erforderlich sein.  Der Versicherungsnehmer argumentierte u.a. damit, dass Stürze für ihn lebensgefährlich werden könnten. Das Gericht ist jedoch der Ansicht, dass mit dieser Argumentation schon alleine der Beruf des Schweißers als unzumutbar anzusehen wäre, würde man dieser theoretischen Gefahr folgen. Auch für einen sonst gesunden Menschen sind Stürze aus höheren Lagen lebensgefährlich. Zusätzlich ist das Gericht der Auffassung, dass ansonsten jeder handwerkliche Beruf mit Arbeiten in höheren Lagen, auf Gerüsten und Leitern, etc. unzumutbar wäre. Man kann nicht von einer allseits ernsthaften und konkreten Absturzgefahr sprechen, zumal zuzumutendene Schutzmaßnahmen vom Versicherten hinzunehmen sind.

Eine Berufsunfähigkeit ist in diesem Fall somit nicht gegeben. Der Versicherte hat keinen Anspruch auf die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente.

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