OLG Hamm, Beschluss vom 11.2.2011 – 20 U 151/10, 1. Instanz: LG Hagen

Leitsatz:

1. Die Beurteilung, ob eine erhöhte Kraftanstrengung an Gliedmaßen oder Wirbelsäule vorliegt, die unter den erweiterten Unfallbegriff von Nr. 1.4.1. der AUB 2002 fällt, bestimmt sich nach den persönlichen Verhältnissen des Versicherten.

2. Wenn ein Taxifahrer einen etwa 20 kg schweren Koffer aus dem Fahrzeug nehmen möchte, dieser Koffer sich verkantet und wenn dann beim Herausziehen die Bizepssehne des rechten Armes reißt, so fällt dieses Geschehen nicht unter den erweiterten Unfallbegriff von Nr. 1.4.1. AUB 2002.

Auszug aus den Entscheidungsgründen:

„In ihrer Entscheidung hat die Kammer des Landgerichts zur Begründung der Klageabweisung ausgeführt, dass der Kläger schon deshalb keinen Anspruch auf Leistungen aus seiner Unfallversicherung habe, weil kein Unfall im Sinne von Nr. 1.3. der hier vereinbarten AUB 02.02 (Bl. 16 ff. der Akte) vorliege. Das Herausnehmen eines Koffers sei kein plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis. Auch ein versichertes Geschehen im Sinne von Nr. 1.4.1. der AUB sei nicht gegeben, weil hierfür eine über eine normale Bewegung hinausgehende Kraftanstrengung notwendig sei, an der es beim Herausnehmen eines etwa 20 kg schweren Koffers gerade fehle, und zwar auch dann, wenn sich dieser verkantet habe. Schließlich sei durch das Gutachten des Sachverständigen Dr. B nachgewiesen, dass die Sehne des Klägers zu 100% vorgeschädigt gewesen sei, so dass die Ausschlussklausel der Nr. 3 AUB eingreife. Wegen der Einzelheiten wird zur Vermeidung von Wiederholungen auf die Entscheidungsgründe (Seite 4-6 des angefochtenen Urteils“

In dem Artikel zur Erhöhten Kraftanstrengung finden Sie hierzu weitere Informationen.

 

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