Die Wirtschaftswoche berichtete vergangene Woche über Krankenzusatzversicherungen für gesetzlich Versicherte. Natürlich kann ein solcher journalistischer Artikel allenfalls an der Oberfläche „kratzen“, deshalb habe ich Ihnen in meinem letzten Artikel ein paar ergänzende Informationen versprochen, die Sie in diesem Artikel nun erhalten sollen.

1. Tests und Empfehlung von bestimmten Krankenzusatzversicherungen

Allenfalls können solche Tests, wie sie regelmäßig in den Printmedien abgedruckt werden, nur der groben Information und dem ersten Eindruck dienen. Gleiches gilt für vielfach veröffentliche Ratings und Rankings. Solchen Tests sind in der Regel nicht umfassend genug. Es werden bestimmte Merkmale als Maßstab gesetzt und geschaut, welche Tarife diese Merkmale erfüllen. Sie wissen aber gar nicht, ob dieses Merkmal für Sie überhaupt interessant ist. Sie wissen auch nicht, ob für Sie relevante Merkmale vielleicht gar nicht Testkriterium waren. Möglicherweise sind Sie der Musterkunde, auf den der getestete Tarif passt. Möglicherweise aber auch nicht. Wenn Sie im Leistungsfall feststellen, dass Sie eben doch nicht Musterkunde A waren und ein Tarif, der vielleicht in den unteren Rängen platziert oder auch gar nicht gelistet war, viel besser für Sie gepasst hätte, hilft Ihnen der Test auch nicht weiter. Weder die entsprechende Zeitung, noch das Unternehmen, welches in Zusammenarbeit mit dem Journalisten diesen Test durchgeführt hat, haften dafür, dass der sogenannte Toptarif auf Platz 1 tatsächlich auch Ihren Bedürfnissen voll und ganz gerecht wird.

Also: Vorabinformation, erster Eindruck: Ja! Abschließendes Entscheidungskriterium?: Nein!

2. Was erwarte ich eigentlich von meinem Versicherungsschutz?

Diese Frage ist die erste Frage, die Sie sich stellen sollten. Sie denken über den Abschluss einer Krankenzusatzversicherung nach, also wollen Sie als GKV-Versicherter Ihren bestehenden Krankenversicherungsschutz aufwerten. Aber in welchen Bereichen? In welchem Umfang? Geht es in erster Linie um den stationären Aufenthalt? Um Ihre Zähne? Um Auslandsreisen? Oder um (ggf. zusätzliche) Absicherung bei Arbeitsunfähigkeit? Ist Ihnen die Behandlung durch einen Heilpraktiker wichtig? Oder ist das Kostenerstattungsprinzip interessant? Wollen Sie den Bereich der Pflegeversicherung besser absichern? Oder soll es der Rundumschutz sein? Brauche ich ein Krankenhaustagegeld? etc. pp.

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie ein gesetzlich Versicherter seinen GKV-Schutz aufwerten kann. Was soll versichert sein und was sind Sie bereit hierfür auszugeben? Wenn Sie diesen Rahmen gesteckt haben, sind Sie schon einen Schritt weiter.

3. Wo liegen die Unterschiede?

Wenn Sie Ihren Rahmen „Leistungsart und Preis“ gesteckt haben, sind Sie aber noch lange nicht am Ziel. Hier wird es erst richtig schwer. Dann geht es nämlich darum, die einzelnen Angebote zu vergleichen. Hierbei sollte man nicht den Fehler machen, nur auf den Preis zu schauen. Preis- und Leistungsverhältnis müssen stimmen. Der günstigste Vertrag ist noch zu teuer, wenn er nicht das absichert, was Sie eigentlich absichern wollten.

Zusatzversicherung ist nicht gleich Zusatzversicherung. Was auf den ersten Blick vielleicht gleich aussieht, ist bei der detaillierten Betrachtung oft ein himmelweiter Unterschied.

Beispiele: Tarif A leistet nur nach Vorleistung der GKV, Tarif B leistet (ggf. zumindest teilweise) auch ohne Vorleistung der GKV. Tarif A sieht vor, dass der Heilpraktiker nach GebüH (Gebührenordnung für Heilpraktiker) abrechnet. Tarif B hat diese Einschränkung nicht. Tarif A leistet bis zum Regelhöchstsatz GOÄ, Tarif B auch darüber hinaus. Tarif A leistet auch für Aufenthalte in Privatkliniken, Tarif B nicht. Diese Liste ließe sich endlos fortführen. Dazu kommen noch unterschiedliche Erstattungssätze, diverse Höchstsummen, Einschränkungen, Zusätze, etc. pp.

Es mag ärgerlich, aber zu verschmerzen sein, wenn man ggf. einen Teil der Heilpraktikerkosten selber zahlen muss, was so eigentlich nicht geplant war. Bei einem stationären Aufenthalt kann es aber durchaus um ganz andere Summen gehen, die dann möglicherweise nicht so leicht zu verschmerzen sind. Auch der Verlust einer Tagegeldabsicherung kann sehr folgenreich sein, wenn vorher nicht geprüft wurde, wann und unter welchen Umständen der Versicherer kündigen kann und/oder wie der Versicherer mit einem Statuswechsel (Angestellter wird Selbständiger) umgeht.

Einem versicherungstechnischen Laien ist diese detaillierte Betrachtung in aller Regel nicht möglich. Abgesehen davon, dass Sie im Leistungsfall selbst in die Tasche greifen müssen, ist oft diese Leistungsfall auch das K.O.-Kriterium dafür, sich besseren (passenderen) Versicherungsschutz zu suchen. Zumindest erst einmal, für manche aber auch dauerhaft. Deshalb: Treffen Sie besser direkt beim ersten Vertragsabschluss die richtige Entscheidung.

4. Kooperationsverträge GKV

In dem Interview mit der Wirtschaftswoche bin ich zu diesem Thema befragt worden. Sicherlich ist es für den Versicherungsnehmer erst einmal der einfachere Weg, einfach bei der GKV den Versicherungsschutz zu erweitern, durch einen sog. Kooperationsvertrag. Diese Verträge können im Einzelfall durchaus auch mal Sinn machen. Der Regelfall ist dies aber nicht. Was, wenn die GKV ihre Kooperation mit der PKV beendet? Oder Sie Ihre GKV wechseln möchten? Dann ist der Tarif vielleicht doch nicht mehr so günstig, wie ursprünglich gedacht. Die Frage ist, ob Sie dann überhaupt – gesundheits- und alterstechnisch – einen adäquaten Ersatz finden können oder ob Sie dann mit den Konsequenzen leben müssten. Dieses Risiko sollten Sie im Zweifelsfall erst einmal nicht eingehen und sich unabhängig von Ihrer GKV auf die Suche machen. Ein abschließender Vergleich des ermittelten Zieltarifes mit dem Angebot Ihrer GKV kann ja immer noch erfolgen.

Ein weiteres Problem dieser Kooperationsverträge ergibt sich aus der oft fehlenden Beratung. GKV-Mitarbeiter sind Sozialversicherungsfachangestellte, die in den meisten Fällen nur begrenztes Wissen zum Privatversicherungsrecht haben.

Im Übrigen muss es auch nicht zwingend immer nur ein Vertrag bei einer Gesellschaft sein. Es besteht durchaus die Möglichkeit Teilbereiche bei unterschiedlichen Gesellschaften zu versichern.

5. Gesundheitsfragen

Auch in den Krankenzusatzversicherungen sind Gesundheitsfragen zu beantworten. Auch hier ist ein wichtiges Thema die vorvertragliche Anzeigepflicht. Insgesamt ist der Verlust einer Zusatzversicherung sicherlich leichter zu verschmerzen als der Verlust einer Krankenvollversicherung. Nichts desto trotz kann es auch hier dazu kommen, dass der Versicherte im Leistungsfall auf einem Großteil der Kosten sitzen bleibt. Deshalb sind diese Fragen genauso korrekt zu beantworten, wie für eine Krankenvollversicherung. Demnach sollte der Interessent auch vor Abschluss einer Krankenzusatzversicherung seine Gesundheitsdaten zusammentragen.

Einen Vermittler, der Ihnen anrät, Fragen falsch oder unvollständig zu beantworten, setzen Sie am Besten vor die Tür. Ebenso, wenn man Ihnen mitteilt, dass bei einem „so kleinen“ Vertrag die Fragen ja nicht „ganz so wichtig“ sind, so dass es keiner umfangreichen Recherche oder gar Risikovoranfrage bedarf.

 

 

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Categories: Krankenversicherung

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