"Vor Gericht und auf hoher See sind wir alle in Gottes Hand"

Dieser häufig zitierte Volksspruch hat durchaus einen wahren Kern.

Besonders erstinstanzliche Urteile sind häufig zu kritisieren.

Vermutlich lesen Sie diesen Beitrag, weil Sie gerade ein Problem mit Ihrem Versicherer haben und Ihr Rechtsanwalt zur Klage geraten hat. Oder Sie haben gar erstinstanzlich schon verloren und Ihr Rechtsanwalt rät dazu, Berufung einzulegen.

Richtiger Weg

Welchen Weg wollen Sie gehen? Aufgeben oder für Ihr Recht kämpfen?

Bevor Sie diese Entscheidung treffen, sollten Sie folgende Fragen klären:

  • Wie stehen meine Chancen? Habe ich wirklich Recht? Oder doch der Versicherer? Oder ist es ein grenzwertiger Fall?

Es kommt vor, dass man sich subjektiv im Recht fühlt, es aber objektiv nicht ist. Das sogenannte „gefühlte Recht“ kann durchaus vom realen Recht abweichen. Wenn Ihr Rechtsanwalt fair ist, wird er Sie auf diesen Umstand hinweisen.

Immer wieder gibt es aber auch Grenzfälle. Es gibt vielleicht noch keine höchstrichterliche Entscheidung zu diesem Fall. Oder es kommt wirklich darauf an, wie der Richter die unterschiedlichen Vorträge im Prozess bewertet. Werden ggf. Zeugen befragt? Sachverständige beauftragt? Hier ist es schwierig Ihr Prozessrisiko einzuschätzen. Oft enden solche Fälle mit einem Vergleich. Ist dieser nicht vielleicht schon außergerichtlich möglich?

  • Kann und will ich einen Prozess finanzieren?

Einen Prozess zu finanzieren ist eine teure Angelegenheit. Besonders dann, wenn der Rechtsstreit über mehrere Instanzen geht. Falls Sie rechtsschutzversichert sind und Deckungszusage erteilt wurde, ist diese Sorge natürlich geringer. Aber auch in diesem Fall sollten Sie bedenken, dass Rechtsschutzversicherer nach einem Leistungsfall den Vertrag auch kündigen können und Sie möglicherweise Schwierigkeiten haben könnten, einen neuen Vertrag abzuschließen. Es wäre schade, wenn Ihnen so etwas wegen eines Falles passiert, bei dem Sie von vorneherein gar keine Erfolgschancen haben.

Zu Eigenanteilen kann es auch mit bestehender Rechtsschutzversicherung für Sie kommen, nämlich dann, wenn…

  • Die Honorarvereinbarung zwischen Ihnen und dem Anwalt vorsieht, dass Sie eine höhere Gebühr zahlen müssen als der Rechtsschutzversicherer zahlen wird – das wird relativ häufig der Fall sein, zumindest dann, wenn Sie einen Spezialisten beauftragen.
  • der Rechtsschutzversicherer einem sinnvollen Vergleich nicht zustimmt oder es Regelungen in Ihrem Vertrag gibt, nachdem der Rechtsschutzversicherer bei einem Vergleich nur anteilig das Honorar übernimmt
  • ein Selbstbehalt vereinbart wurde
  • Bin ich der nervlichen Belastung gewachsen?

Ein Prozess bedeutet immer auch eine nervliche Belastung. Oft ziehen sich die Verfahren über Monate, teilweise auch über Jahre hin. Diese ständige Ungewissheit und die immer wiederkehrende Konfrontation mit dem Sachverhalt, ist für viele Menschen unerträglich. Da muss man sich auch – gerade bei kleineren Streitwerten – fragen, ob sich dieser Aufwand lohnt.

  • Wurde außergerichtlich alles versucht?

Erfahrungsgemäß legen Rechtsanwälte oft viel zu wenig Energie in den außergerichtlichen Bereich. Ein Schreiben an die Gegenseite. Die bleiben bei ihrer Meinung. Fertig. Das ist natürlich nicht immer so, dennoch sollten Sie vor Einreichung einer Klage prüfen, ob außergerichtlich bereits alle Argumente vorgetragen wurden. Das Argument „wir brauchen noch Futter für die Klage“ zählt meines Erachtens nicht. Man kann sich auch im Klageverfahren hervorragend auf außergerichtlichen Sachvortrag beziehen.

Vieles lässt sich gut außergerichtlich klären, wenn man etwas Mühe aufwendet.

Natürlich kann auch ich den Ausgang eines Prozesses nicht vorhersagen.

Ich kann jedoch bewerten,

  • ob Sie wirklich im Recht sind und Sie für dieses Recht kämpfen sollten
  • ob es ein grenzwertiger Fall ist, den man unterschiedlich bewerten kann (diese Fälle enden überdurchschnittlich häufig in einem Vergleich; siehe Kostenrisiko)
  • ob Sie nahezu chancenlos sind (manchmal hat halt auch der Versicherer recht)

Ihr Rechtsanwalt steht auf Ihrer Seite. Aber er ist nicht wirklich objektiv und neutral, denn er sieht den Fall nur aus seiner eigenen Sicht mit seiner eigenen Rechtsauffassung. Bei eigenen Fällen wird man manchmal durchaus betriebsblind. Das geht mir auch so. Deshalb ist es hilfreich, wenn ein Blick von außen auf Ihren Fall gerichtet wird.

Ist Ihr Anwalt wirklich auf dem richtigen Weg? Holen Sie sich eine Zweitmeinung!

Wenn Sie eine neutrale Meinung und eine unabhängige Bewertung zu Ihrem Fall benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Foto Mann am Weg: Fotolia @fotogestoeber

Foto Paragraph: Pixabay von geralt

 

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Categories: Versicherungsrecht

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