So fängt ein sehr beliebter Satz in ärztlichen Gutachten sehr häufig an. Enden wird dieser Satz in den meisten Fällen wie folgt: … heilen derartige Verletzungen folgenlos aus. Sehr häufig findet man diese Formulierung in Gutachten zu HWS-Distorsionen (HWS-Schleudertrauma)

Im Allgemeinen kann das schon so sein. Und in Ihrem, individuell zu betrachtenden Fall?

Sicherlich lässt sich auf Grund von Erfahrungswerten eine überwiegend zutreffende Aussage tätigen. Und in vielen Fällen trifft dieses halt auch zu. Jedoch nicht in allen Fällen.

So auch bei einem Fall aus meiner Kanzlei, wo die Mandantin den ablehnenden Bescheid der Versicherung bekam. Eben genau mit dieser Argumentation.

Der Gutachter hat seine Aussagen ausschließlich auf Literaturangaben gestützt, ohne speziell auf diesen Fall einzugehen. So hat er z.B. nach Erdmann (Klassifizierung von HWS Distorsionen) vermutet, dass lediglich eine HWS Distorsion I. Grades vorgelegen haben kann, da die Mandantin nur wenige Tage arbeitsunfähig war. Völlig außer acht gelassen hat er dabei jedoch, dass die Mandantin als Selbständige gar nicht in der Lage gewesen war, die volle Dauer der möglichen Arbeitsunfähigkeit auszuschöpfen, da sie so schnell wie irgendmöglich, wieder arbeiten musste. Auch hat er außer Acht gelassen, dass Erdmann selbst ausführt, „dass es nicht gerechtfertigt ist, eine pauschale einheitliche Verletzungsform anzunehmen. Pauschalierende Gleichmachereien sind nicht angebracht“ (Erdmann, H., a.a.O, S. 72).

Der Gutachter hat sich jedoch schematisch und starr an Schweregradetabellen gehalten, ohne dem Einzelfall gerecht zu werden.

Sicherlich sind Invaliditätsentschädigungen nach Distorsionen der Wirbelsäule (umgangssprachlich: HSW Schleudertrauma) im Allgemeinen schwer durchsetzbar und auch findet die Aussage: „Im Allgemeinen heilen diese Verletzungen folgenlos aus“ durchaus auch Ihre Berechtigung. Sehr häufig sind verschleißbedingte Beschwerden, die durch die Einwirkung auf die Wirbelsäule ausgelöst, aber nicht entstanden sind, in der Tat nicht unfallbedingt.

Im Allgemeinen – sehr häufig – meistens. Aber eben auch nicht immer!

Diesen Fall konnte ich außergerichtlich erledigen und die Mandantin bekam schlussendlich statt „gar nichts“ mehrere tausend Euro Invaliditätsentschädigung.

Haben Sie auch eine Ablehnung erhalten und möchten diese prüfen lassen?

 

Foto: Pixabay von bykst

War dieser Beitrag hilfreich?
Dann freue ich mich über das Teilen des Beitrages!