Häufig erhalte ich Anfragen von Menschen, die unsicher sind, ob eine Erkrankung angabepflichtig ist oder nicht.

Im Zweifelsfall ist alles anzugeben, wonach der Versicherer gezielt gefragt hat. Ob es sich um eine relevante Erkrankung oder um eine irrelevante Kleinigkeit handelt, entscheide weder ich, noch Sie sondern alleine der Versicherer. Also ist bei der Frage nach den letzten Behandlungen beim Arzt auch Schnupfen, Husten, Heiserkeit anzugeben – auch wenn dies für die Annahme des Vertrages ganz sicher keine Rolle spielen wird. Sie sind auskunftspflichtig ganz unabhängig von der Schwere der Beeinträchtigung. Geben Sie lieber eine Auskunft zu viel, als einen Auskunft zu wenig.

Konsequenz Auskunft zu viel: Eigentlich gibt es die Auskunft zu viel gar nicht. Der Versicherer ist schon gut in der Lage zu unterscheiden, was für ihn relevant ist. Wenn Sie als „versehentlich“ die Magendarmgrippe von vor 10 Jahren abgeben, sieht das der Versicherer auch so, wie es ist. Außerhalb des abgefragten Zeitraums, ohne Interesse für mich. Es hat also keinen Einfluss.

Konsequenz Auskunft zu wenig: Hieraus kann Ihnen der Versicherer einen Strick drehen. Stichwort: Vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung. Sie haben hiermit (ob absichtlich oder unabsichtlich) eine Frage falsch beantwortet. Im Schlimmsten Fall ist der Versicherer leistungsfrei. Und zwar u.U. auch dann, wenn die falsch beantwortete Frage null und nichts mit der Leistungspflicht, um die es „heute“ geht, zu tun hat.

Häufig werden Gesundheitsfragen falsch interpretiert, so dass die Fragen versehentlich falsch beantwortet werden, ohne böse Absicht also. Es ist ein Unterschied, ob Sie etwas arglistig oder wirklich ganz aus Versehen falsch beantwortet haben. Aber wollen Sie sich ernsthaft im Leistungfall mit dem Versicherer darüber streiten, dass Sie wirklich vergessen haben, nicht wussten, gedacht haben…. ?

Nein, im Leistungsfall haben Sie andere Sorgen. Also kümmern Sie sich am Besten jetzt um einen wasserdichten Vertrag ohne böse Überraschungen im Leistungsfall.

Der Gesetzgeber hat definiert, dass Versicherer die Fragen so zu stellen haben, wie ein normal verständiger Versicherungsnehmer sie verstehen kann. Meiner Meinung nach haben die Versicherer diese Zielvorgabe noch lange nicht erreicht – auch wenn es sicherlich besser (einfacher) geworden ist, als noch vor ein paar Jahren.