In Verbraucherratgebern wird oft der Tipp gegeben, lieber eine BUZ – also eine Risikolebensversicherung mit Berufszunfähigkeitszusatzversicherung abzuschließen als eine eigenständige Berunfsunfähigkeitsversicherung. Dies sei beitragsmäßig meist günstiger.

Dies ist oft der Fall, aber auch oft nicht. Zudem hat diese Kombination Risikolebensversicherung + BUZ manchmal auch Nachteile, nämlich dann, wenn das Leben anders läuft als geplant.

Hier ein Beispielfall für Sie:

(Ich bin immer vom günstigsten Versicherer ausgegangen, ohne Rücksicht darauf, ob diese auch empfehlenswert wären, Beitragsdynamik, Überschussschwankungen, etc. sind ebenfalls nicht berücksichtigt)

30 jähriger Familienvater, Nichtraucher, gesund, Sachbearbeiter im Innendienst einer Versicherung, möchte seine Familie absichern. Er braucht hierfür eine Risikolebensversicherung über 400.000,00 Euro und eine Berufsunfähigkeitsrente über 2000,00 Euro. Geplantes Renteneintrittsalter 67 Jahre. Das Haus wird abbezahlt sein wenn er  55 Jahre alt ist, dann sind auch seine Kinder erwachsen und mit der Ausbildung fertig.

Bei dem günstigsten Anbieter zahlt er für einen eigenständigen BU Vertrag etwa 1000,00 Euro im Jahr. (Endalter 67)

Bei dem günstigsten Anbieter zahlt er für einen eigenständigen Risikolebensversicherungsvertrag etwa 500,00 Euro im Jahr. (Endalter 67)

Er zahlt somit für beide Verträge zusammen 1.500,00 Euro Jahresbeitrag. Gerechnet auf die Gesamtlaufzeit zahlt er demnach: 55.500,00 Euro für den gewüschten Versicherungsschutz.

Die Absicherung Risikoleben + Berufsunfähigkeit in einem Vertrag kostet ihn beim günstigsten Anbieter (Endalter 67) derzeit etwa 1400,00 Euro pro Jahr. Also 100,00 Euro weniger als bei der Trennung der Produkte.

(Diese Differenz wird je nach Beruf, Raucher/Nichtraucher, Alter, Summen auch teilweise noch gravierender oder eben auch geringer sein.)

Auf die Gesamtlaufzeit gerechnet zahlt der Familienvater mit dem Kombiprodukt also: 51.800,00 Euro. Das ist natürlich sehr viel günstiger im direkten Vergleich zu den 55.500,00 Euro aus der ersten Berechnung.

Aber!! Der Familienvater braucht ja im Risikolebensversicherungsbereich gar keine Absicherung bis 67 Jahre. Planungsmäßig ist er bereits mit 55 Jahren soweit, dass er diesen Schutz nicht mehr braucht. Also 12 Jahre früher als oben errechnet. Er kann also 6000,00 Euro sparen, in dem er den Vertrag vorzeitig kündigt. Dies kann er aber bei einem Kombiprodukt nicht machen, denn damit verliert er gleichzeitig seinen Berufsunfähigkeitsschutz, den er ja noch braucht bis zum Rentenalter. Und zwar in diesem Alter mehr als je zuvor.

Schließt er gar den Lebensversicherungsvertrag von vorneherein nur bis zum Endalter 55 ab, zahlt er einen Jahresbeitrag in Höhe von 250,00 Euro. Auf die Gesamtlaufzeit also 6.250,00 Euro. Zuzüglich der Kosten für den seperaten BU Vertrag mit Endalter 67 kommt er dann auf: 43.250,00 Euro.

Das sind 8550,00 Euro, die der Familienvater dann einspart, wenn er sich für eine Trennung der Produkte entscheidet.

Der große Vorteil bei der Trennung der Produkte ist eben, dass man mit der Risikolebensversicherung flexibel umgehen kann. Bei einem Kombivertrag haben Sie möglicherweise das Problem, dass Sie die Risikolebensversicherung eigentlich nicht mehr brauchen, aber auch nicht kündigen können, da sonst Ihr Berufsunfähigkeitsschutz ebenfalls verloren geht.

Auch wenn es im Laufe der Zeit einmal zu finanziellen Engpässen kommt, geht es Ihnen mit der Trennung der Produkte besser. Sie müssen dann nicht nach dem „Ganz oder Gar nicht Prinzip“ wählen, sondern können gezielt entscheiden, welchen Schutz Sie weiter finanzieren wollen (können) und welchen nicht.

Sofern unser Beispielsfamilienvater die Lebensversicherung – aus welchen Gründen auch immer – bis zum Endalter 67 benötigt oder haben möchte, ist beitragsmäßig das Kombi-Policen Modell für ihn beitragsmäßig natürlich günstiger.

Weiterhin gibt es auch immer noch eine Alternative, die man im Auge behalten sollte, nämlich: Kombiprodukt ja, aber mit geringstmöglicher Versicherungssumme – dafür die eigentliche Risikolebensversicherung doch wieder getrennt abzuschließen.

Viele Gesellschaften – mit gutem Bedingungswerk – bieten auch keine eigenständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen an. Diese sollten aber trotzdem nicht außen vor gelassen werden, auch wenn man sich für eine Trennung der Produkte entscheidet (s. auch Alternative oben)

Bei einer ordentlichen Beratung werden immer alle Varianten mit ins Auge gefasst und dann individuell die beste und günstigste Lösung gesucht. Und zwar auf Dauer gesehen und nicht nur im direkten Vergleich zum jetzigen Jahresbeitrag.

Rechnen Sie daher immer über die gesamte Laufzeit nach und vergleichen Sie nicht nur den aktuellen Jahresbeitrag. Diese Berechnungen können nur jedoch nur Prognoseberechnungen sein, da die Beiträge durch Überschussverrechnungen, Dynamik, etc. stark schwanken können.

 

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