Bei meiner täglichen Arbeit begegnen sie mir leider viel zu häufig. Die sogenannten Abrechnungsdiagnosen. Bei Verträgen mit Gesundheitsfragen können diese sehr problematisch für den Versicherten werden.

Was ist das überhaupt?

Als gesetzlich Versicherter haben Sie in aller Regel keinen Überblick darüber, was Ihr Arzt abrechnet. Die Privatpatienten haben es da etwas leichter mit der Kontrolle. Zumindest theoretisch. Praktisch kontrollieren auch nur wenige Privatpatienten ihre Arztrechnungen. Sie wissen also nicht, welche Diagnosen Ihr Arzt konkret geschlüsselt und abgerechnet hat. Sie wissen auch nicht, ob Ihr Arzt eine Diagnose in jeder weiteren Abrechnung wiederholt, obwohl schon lange keine Behandlung mehr erfolgte. Warum Ärzte dies tun, kann unterschiedliche Gründe haben. Manchmal sind es leider schlicht monetäre Aspekte. Manchmal lassen sich Diagnosen aber auch nicht so klar schlüsseln. Und manchmal passieren halt Fehler.

Hierzu mal ein Fallbeispiel aus der Praxis:

Ein Mandant möchte gerne eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Hierfür trägt er zunächst die Gesundheitsdaten zusammen. Wir gehen gemeinsam die Gesundheitsfragen durch und bei der Frage zu Schädigungen an der Wirbelsäule berichtet er: Er habe mal vor drei Jahren einen Autounfall gehabt, ein leichter Auffahrunfall. Der Arzt habe ihm Voltaren verschrieben und ein paar Trage krank geschrieben. Seit dem ist nie wieder etwas gewesen.

Da ich mich auf derartige Angaben grundsätzlich nicht verlassen möchte, hat mein Mandant in meinem Auftrag die entsprechend notwendigen Stellen angeschrieben und um Auskünfte gebeten.

Aus den dann zugesandten Unterlagen ergab sich aber nicht die harmlose, mit Voltaren behandelte, Distorsion der Wirbelsäule, sondern ein schweres degeneratives (verschleißbedingtes) Bandscheibenleiden.

Mein Mandant fiel aus allen Wolken und lies sich auf mein Anraten die seinerzeit gefertigten Röntgenbilder vom Arzt aushändigen. Diese wurden dann durch einen neutralen Arzt erneut ausgewertet, der zu dem Schluss kam, dass hier nicht einmal ansatzweise ein Verschleiß auf den Röntgenbildern zu sehen war. Hierüber erstellte er auch ein entsprechendes Attest, so dass diese Unterlagen dem Antrag beigefügt werden konnten und es keinerlei Probleme mit der Annahme gab.

Wäre dies jedoch nicht im Vorfeld geprüft worden, hätte es mit Sicherheit Probleme im Leistungsfall gegeben. Denn dann hätte der Versicherer erfahren, dass die angeblich gesunde Wirbelsäule bei Antragstellung bereits erheblich vorgeschädigt war. Vermutlich hätte man dann auch den Gegenbeweis führen können – wenn aber der Versicherer einmal skeptisch geworden ist, ist es nicht mehr ganz so einfach ihn zu überzeugen, wie zu Beginn des Vertrages.

Ja, das ist sehr viel Arbeit und viel Rennerei. Aber besser jetzt, wo Sie gesund und munter sind als später, wenn Sie erkrankt sind. Dann haben Sie andere Sorgen. Und wenn Sie dann zusätzlich noch zittern müssen, ob Sie überhaupt eine Leistung bekommen, dann hat sich der problemlose Schnellabschluss definitiv nicht gelohnt.

Möchten Sie Ihre Gesundheitshistorie mit mir gemeinsam aufarbeiten?

 

 

Foto: Pixabay von DarkoStojanovic

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