OLG München, 25 U 3980/11 – Muskelriss eines Torwarts

Das OLG München hat am 10.1.2012 folgende amtlichen Leitsätze definiert: (AZ 25 U 3980/11)

“1. Verletzt sich der Versicherungsnehmer einer Unfallversicherung dadurch, dass er als Fußballtorwart beim Abschlag durch den Aufprall des Balles auf den Vorderfuß einen Muskelriss im gestreckten Bein erleidet, liegt ein von außen auf seinen Körper wirkendes Ereignis im Sinne der Unfallversicherungsbedingungen vor. In einem solchen Fall, in dem erst die “Kollision” des Versicherten mit der Außenwelt – hier mit dem Fußball – die Gesundheitsschädigung unmittelbar herbeiführt, ist nicht zu prüfen, ob auch eine Eigenbewegung des Versicherten im Zusammenspiel mit äußeren Einflüssen als Unfall angesehen werden kann (im Anschluss an das BGH-Urteil vom 06.07.2011, Az IV ZR 29/09)”

Meinen entsprechenden Artikel zum o.a. BGH Urteil finden Sie hier: BGH Urteil vom 6.7.2011

“2. Der Umstand, dass der Abschlag selbst gewollt war, betrifft nicht die “Einwirkung von außen”, sondern die von den Unfallversicherungsbedingungen weiter geforderten Merkmale “plötzlich” und “unfreiwillig”. Auch ein geplanter und nach Plan ablaufender Vorgang in einer kurzen Zeitspanne ist “plötzlich”; das Merkmal “unfreiwillig” bezieht sich auf die Gesundheitsschädigung, nicht auf das Unfallereignis, das die Verletzung herbeiführt.”

M.E. absolut korrekt im Sinne des Versicherungsnehmers entschieden. Mich würde ja hier einmal interessieren, welcher Versicherer das war. Gut, das Urteil des BGH ist noch nicht so furchtbar alt, das könnte sich noch nicht bis in die hinterste Versichererecke herumgesprochen haben. Wobei das eigentlich schon unfassbar wäre. Aber der Argumentation des Versicherers, die sich aus der Urteilsbegründung ergibt und die den 2. Leitsatz prägte, kann ich nun gar nicht mehr folgen. Das ist doch wirklich ein ganz alter Hut. Kann nur ein Versicherer sein, der wenig bis gar kein Unfallgeschäft hat (?) oder der Anwalt war neben der Spur (?) sonst ist dieser Fauxpas eigentlich nicht erklärbar. Und sorry, das Ganze wegen 7.200,00 Euro? Unfassbar.

© Angela Baumeister
Versicherungsberaterin / Versicherungsfachwirtin
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